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Golgi Sehnenorgan

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Auch die Golgi Sehnenorgane stellen einen zentralen Bestandteil der Propriozeption dar und übernehmen wichtige Aufgaben im menschlichen Körper, etwa um Verletzungen bei Überbeanspruchungen zu vermeiden. Wie das funktioniert, ist in dem folgenden Artikel beschrieben.

Golgi Sehnenorgane sind auch direkt an der Gleichgewichtsfähigkeit und dadurch auch an der Koordinationsfähigkeit des Menschen beteiligt. Das Golgi Sehnenorgan kommt bei allen Wirbeltieren vor und gehören ebenfalls zu den Mechanorezeptoren, welche also auf mechanische Reize reagieren. Jedes Wirbeltier hat mehrere Golgi Sehnenorgane.

Vorkommen und Aufbau der Golgi-Organe

Golgi Sehnenorgan (e) kommen stets in der Übergangsregion von Muskel und Sehne vor. Anders als die Muskelspindeln, die sich parallel zu den Muskelfasern befinden, liegen die Golgi-Organe in Serie zur Muskulatur. Man kann sich die Golgi Sehnenorgane so vorstellen, dass sie Nervenendigungen darstellen, die im Bereich des Sehnen-Muskel-Übergangs in eine Art Kapsel eingehüllt sind. Innerhalb dieser Kapsel befinden sich ebenfalls die Sehnen, welche aus Kollagen-Bündeln bestehen.

Einige dieser Bündel werden von einer afferenten Faser (Golgi Sehnenorgan ohne efferente Inputs!) des Typs Ib versorgt, der die Reize schließlich Richtung Rückenmark weiterleitet, mehr dazu dann im folgenden Abschnitt. Die Ib-Faser tritt dabei in die Kapsel ein, verzweigt sich mehrfach und setzt somit an verschiedenen Punkten des Sehnen-Komplexes an.

Funktionsweise des Golgi Sehnenorgan (s)

Golgi Sehnenorgane reagieren auf Spannungen im Muskel. Wird beispielsweise der Bizeps-Muskel kontrahiert, etwa beim Halten eines sehr schweren Wassereimers, dann entwickelt sich eine mechanische Spannung im Muskel, die über die Sehnen auf die Knochen übertragen wird.
Da sich nun die Golgi Sehnenorgane im Übergang von Muskel zu Sehne befinden, werden auch diese Bereiche unter mechanische Spannung gesetzt. Diese Spannung wird von den Golgi-Organen registriert, in eine Art elektrisches Signal (Aktionspotential) umgewandelt und über die oben beschriebenen Ib-Fasern in Richtung Rückenmark weitergeleitet.

Im Rückenmark selbst werden dann hemmende (inhibitorische) Interneurone erregt, die die α-Motoneurone hemmen. Das heißt nichts anderes, als dass der zuvor erregte Bizeps-Muskel in seiner Kontraktion vermindert oder komplett gehemmt wird. Auf diese Weise kann die Muskelkontraktion des Bizepses verlangsamt werden, sodass mehr Kraft generiert werden kann und wir somit den sehr schweren Wassereimer doch noch halten können.

Es kann aber auch sein, dass der Wassereimer einfach zu schwer ist. In diesen Fällen verhindern die Golgi-Sehnenorgane eine Überbelastung, die den Muskel schädigen könnte. Also Folge wird der Bizeps-Muskel in seiner Kontraktion gehemmt und wir setzen den Wassereimer ab, um Sehne oder Muskel nicht zu verletzen.

Golgi-Organe können also einen wichtigen Überlastungsschutz darstellen, indem sie einen sog. Entspannungsreflex auslösen. Dies unterscheidet sie deutlich von den Muskelspindeln, die einen Kontraktionsreflex auslösen (Bsp. Kniesehnenreflex beim Arzt mit Hammer).

Quellen: Physiologie, S. 623, D. U. Silverthorn. Nerve Repair, S. 65, T. M. Brushart.

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